Musterbestände zum Waldumbau
Alternative Baumarten im Klimawandel

Blick von oben über den Bergwald (Foto: Michael Friedel)

Foto: Michael Friedel

Baumarten wie Fichte, Kiefer und auch Buche, die heute den Hauptteil unserer Wälder ausmachen, kommen durch den Klimawandel zunehmend an ihre ökologischen Grenzen. Daher ist es wichtig, die Waldbestände möglichst frühzeitig an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen.

Prognosen sehen Klimaverschiebungen in den nächsten Jahrzehnten. Vereinfacht gesagt, könnten wir beispielsweise in 50 – 100 Jahren hier ein Klima vorfinden, dass dem aktuellen Klima in anderen Teilen der Erde ähnelt. Nachdem Bäume eine lange Lebensdauer haben, ist es bereits jetzt sinnvoll, so genannte Alternative Baumarten aus prognostizierten Klimazonen bei uns mit anzubauen.

Bayreuther Klimawald: Ein Ziel, viele Helfer – Klimawald Bayreuth

Ausgangslage

Mit dem sogenannten Klimawald wurde in Bayreuth ein Wald begründet, der dem Klimawandel trotzen kann. Drei Bayreuther Studierende des Masterstudiengangs Global Change Ecology initiierten das Projekt im Frühjahr 2019. Gemeinsam mit der Stadtförsterei Bayreuth, dem Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung, dem Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuth und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg wurde das Projekt umgesetzt.

Waldbesitzer

Hospitalstiftung Bayreuth

Maßnahmenbeschreibung

Mit dem sogenannten Klimawald wurde in Bayreuth ein Wald begründet, der dem Klimawandel trotzen kann. Das von den drei Bayreuther Studierenden Theresa Landwehr (Deutschland), Kun Woo Ro (Südkorea) und Nikunj Pathak (Indien) des Masterstudiengangs Global Change Ecology initiierte Projekt wurde im Frühjahr 2019 umgesetzt. Unterstützt wurden sie dabei von der Stadtförsterei Bayreuth (Waldbewirtschafter), dem Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung, dem Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuth und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg (AELF).
In einem Kiefern-Fichten-Wald wurden auf etwa einem ha Fläche 11 klimastabile Baumarten grüppchenweise gepflanzt: Traubeneiche, Buche, Hainbuche, Winterlinde, Vogelkirsche, Elsbeere, Weißtanne, Douglasie, Baumhasel, Edelkastanie und Nordmanntanne. Zusätzlich samten sich Sandbirke, Vogelbeere, Bergahorn, Aspe, Fichte und Kiefer an.
Den Initiatoren war bei der Baumartenwahl, neben den standörtlichen Verhältnissen und der prognostizierten Klimatoleranz, wichtig, dass die ausgewählten Baumarten wertvolles Holz produzieren. So soll das im Baum gespeicherte C02 nach der Holzernte in Produkten wie Bau- und Möbelholz möglichst lange gespeichert bleiben.
Aus der ursprünglichen Idee der Studierenden, mit dem Klimawald einen Ausgleich für den Ausstoß von Treibhausgasen durch die vielen studienbedingten Reisen zu schaffen, hat sich mittlerweile eine eigene Systematik für den Umbau von Waldflächen etabliert. Mittlerweile kümmert sich ein ganzes Team von Studierenden um weitere Projekte. Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Vereinen und privaten Geldgeberinnen und Geldgebern.

Maßnahmenlogbuch

  • 2018/2019 Durchforstung mit Kronenpflege im Altbestand:
    Planmäßige Holzernte, um den Kronenschirm zurückzunehmen und so genügend lichte Bereiche für die geplante Pflanzung zu schaffen.
  • März 2019 Zaunbau: Schutz der Jungpflanzen vor Wildverbiss
  • April 2019 Pflanzung: 11 Baumarten aufgeteilt auf 4.759 Pflanzen mit 245 freiwilligen Helfern
  • Juli bis August 2019 Gießaktion wegen Dürre und Trockenheit: 3l Wasser/Pflanze
  • Förderung: Wiederaufforstung 6.152 € (entspricht 1,30 € pro Pflanze)

Besonderheiten

Ein Ziel, viele Helfer
Der Klimawald ist ein Projekt der Studierenden der Universität Bayreuth. Durch das große Engagement, viel Eigeninitiative und Liebe zur Natur haben die Studierenden es geschafft viele freiwillige Helfer aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten im Kampf gegen den Klimawandel zu vereinen.

Klimawald Bayreuth Externer Link

Wer streut, rutscht nicht
Der Anbau vieler verschiedener Baumarten ist vorteilhaft. Fällt aufgrund von klimatischen Veränderungen eine Baumart aus, bleiben genügend andere Baumarten auf der Fläche, die den Ausfall kompensieren können.
„Alternative“ Baumarten
Baumhasel und Edelkastanie sind typische Beispiele für Baumarten, mit denen bereits seit Jahrhunderten in Süd-Ost-Europa gewirtschaftet wird. Erst jetzt werden sie aufgrund der klimatischen Änderungen in unseren Breiten interessant. Trotz guter Klimaprognosen ist der Anbau dieser „Newcomer“ noch in der Testphase.

Lageplan und Anfahrtbeschreibung

Von der Adolf-Wächter-Straße zum Parkplatz des Trimm-Dich-Pfades fahren. Von dort aus dem Wanderweg entlang des Waldrandes folgen.
Koordinaten: WGS84: 49.92700, 11.54023

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Gothendorf: Waldumbau mit der alternativen Baumart Küstentanne und der heimischen Buche

Ausgangslage

Bereits 2001 wurde hier mit dem Waldumbau begonnen. Es wurde auf die bewährte Baumart Buche gesetzt und direkt daneben eine alternative Nadelholzbaumart gepflanzt: Die Küstentanne.
Deren Entwicklung kann hier begutachtet werden. Beide Baumarten haben sich schnell etabliert und sind zu einem vitalen und sehr wüchsigen Waldbestand herangewachsen.
Eine etwa 0,4 ha große Fläche in einem von Fichte und Kiefer geprägtem Waldgebiet.

Waldbesitzer

Thomas Knaus

Maßnahmenbeschreibung

2001 wurde bei der Wiederaufforstung auf die bewährte Baumart Buche gesetzt und direkt daneben eine alternative Nadelholzbaumart gepflanzt: Die Küstentanne.
Deren Entwicklung kann hier begutachtet werden. Beide Baumarten haben sich schnell etabliert und sind zu einem vitalen und sehr wüchsigen Waldbestand herangewachsen.
Diese Fläche zeigt, dass bei einer Wiederaufforstungsmaßnahme zwei Baumarten kleinflächig gepflanzt werden können. Eine Einbringung von alternativen Baumarten ist sinnvoll, um mit einer Vielfalt an Baumarten zukünftigen Klimaveränderungen zu begegnen. Hier wird Bewährtes mit Neuem verbunden.
Die Fläche wurde 2018 durchforstet. Dabei wurden vor allem den vorwüchsigen und schön geformten Bäumen mehr Licht gegeben. Zusätzlich wurde ein Teil der Küstentannen geastet, damit astfreies und wert-volles Holz an die Stämme wächst.
Auf diesem Standort, einem lehmigen Sand, haben beide Baumarten gute Wachstumsbedingungen und sind daher eine gute Wahl.

Maßnahmenlogbuch

  • 2001 Pflanzung: Küstentanne und Buche auf zwei Teilflächen
  • 2018 Jungdurchforstung: Freistellung der vitalen, stabilen und klimatoleranten Bäume im Abstand von 8 bis 10 Metern (= Z-Bäume) durch Entnahme von ein bis zwei Nachbarn. Anschließend Astung der freigestellten Küstentannen (= Z-Bäume).

Besonderheiten

Die Küstentanne, eine im Westen der USA und Kanadas heimische Baumart, ist in unseren Wäldern noch selten anzutreffen.
Im Vergleich zu unserer heimischen Weißtanne ist sie raschwüchsiger und verträgt Trockenheit und Hitze etwas besser. Gegenüber Schnee-bruch ist sie etwas anfälliger und verträgt nur wenig Schatten als junge Pflanze. Die Holzdichte ist geringer, sodass die Verwendungsmöglich-keiten eingeschränkt sind und sie nicht als Konstruktions-Bauholz wei-terverarbeitet werden kann.
Eine Alternative für die Tanne oder die Fichte ist sie nicht. Auf großer Fläche wird sie daher nicht empfohlen. Als klimatolerante Beimischung und Ergänzung zu unseren heimischen klimastabilen Baumarten, wie hier zur Buche, bereichert sie unsere Wälder.

Lageplan und Anfahrtsbeschreibung

In Gothendorf parken, den Feldweg im Osten ca. 800m folgen. Nach dem Feld und der Wiese im Wald rechts in den Küstentannenbestand abbiegen, der Buchenbestand ist direkt angrenzend hangabwärts.
Koordinaten: WGS84: 50.07050, 11.66786

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