Musterbestände zum Waldumbau
Musterbestände zum Thema Baumartenwechsel nach Schäden in Fichtenbeständen

Die Baumart Fichte, die in manchen Wäldern die Hauptbaumart ausmacht, kommt besonders im Reinbestand zunehmend an ihre ökologischen Grenzen. Schäden durch Fichtenborkenkäfer, Sturmwürfe und Schneebrüche nehmen in diesen Wäldern zu.

Im Folgenden werden drei Beispiele gezeigt, wie Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer mit den Schadflächen umgegangen sind und wie sich diese entwickelt haben.

Kirchenbirkig – Kleinflächige Vielfalt nach Schneebruch und Borkenkäfer

Ausgangslage

Mittelalter Fichtenrein- und Fichten-Kiefern-Bestand: 2016 ist ein Teil des jungen, dicht stehenden Fichtenwaldes rechts unterhalb vom Weg unter der Last des Schnees umgebrochen. In den folgenden Jahren sind durch Borkenkäferbefall kleine Bestandslücken entstanden.

Waldbesitzerin

Gertrud Bauer

Maßnahmenbeschreibung

In einem mittelalten Fichten-(Kiefern)-Wald wurden nach kleinflächigen Schadereignissen jeweils zeitnah verschiedene Baumarten auf unterschiedliche Weise eingebracht. So entsteht ein Mosaik aus verschiedenen Baumarten, die den wüchsigen Boden gut nutzen können. Jede Lücke, die Licht durch das Kronendach des Altbestandes lässt, wird aktiv zur Anreicherung der Baum-Artenvielfalt genutzt. Die heranwachsende Baumartenpalette wird nach und nach erfolgreich erweitert. Gedeiht hier eine Baumart zukünftig weniger gut, ist das Risiko, dass der gesamte Waldbestand zur Kahlfläche wird, sehr gering. Dadurch ist der Waldbestand sehr vital und widerstandsfähig - auch gegenüber zukünftigen Klimaveränderungen.
Nach dem ersten Schadereignis 2016 rechts unterhalb des Weges wurden Bergahorne, Elsbeeren und Tannen gepflanzt. Auf den nährstoffreichen „Jura“-Boden gedeihen die gewählten Baumarten sehr gut. Die kleine Kahlfläche wurde so schnell wieder in Bestockung gebracht, bevor sich Sträucher auf dem wüchsigen Boden etablieren konnten. Zum Schutz vor Rehwildverbiss wurde die Pflanzung eingezäunt.
In den folgenden Jahren wurde auch nach Borkenkäferbefall immer schnell gehandelt: Bäume mit Borkenkäferbefall wurden rasch entnommen. Anschließend wurden klimatoleranteren Baumarten in die Lücken gepflanzt, jetzt mit Einzelschutz.

Maßnahmenlogbuch

2016 Wiederaufforstung nach Schneebruch im Fichtenteil mit Zaun

  • Bergahorn 400 Stück mit Hainbuche 150 Stück. Pflanzverband 1,5 x 1,3 Meter
  • Elsbeere 250 Stück. Pflanzverband 1,5 x 1,3 Meter
  • Tanne 100 Stück. Pflanzverband 2,5 x 2 Meter

2019 Wiederaufforstung nach Borkenkäferbefall und in Bestandeslücken

  • Grüppchenweise in Wuchshilfen,-hüllen und Gittern
  • Elsbeere 25 Stück
  • Baumhasel 25 Stück
  • Kirsche 50 Stück
  • Tanne 25 Stück

Förderung

  • Wiederaufforstung 2016: 1.242,- €
  • Wiederaufforstung 2020 (Pflanzung 2019): 288,- €

Besonderheiten

Hier wird kleinflächig gearbeitet: Das Potenzial des Privatwaldes. Selbst wenn nur jeder zehnte Waldbesitzende eine kleine Fläche bearbeitet, wird eine große Baumartenpalette eingebracht. In 40 bis 50 Jahren sind Samenbäume über die Fläche verteilt, die über natürlichen Samenfall ganze Waldgebiete mit vielen, klimatoleranten Baumarten anreichern können.
Auf den Flächen sind ein Wildschutzzaun und die unterschiedlichsten Wuchshilfen, die auch Schutzmaßnahmen gegen Rehwildverbiss sind, aufgestellt.

Lageplan und Anfahrtsbeschreibung

In Kirchenbirkig parken, über den Lohweg in Richtung Osten gehen und an der Kreuzung nach der Hackschnitzelhalle rechts in den Wald abbiegen. Die Flächen befinden sich auf der rechten Seite unterhalb und auf der linken Seite oberhalb des Weges.

BayernAtlas WGS84: 49.74419, 11.41282 Externer Link

Muckenreuth – Schritt für Schritt zum Tannen-Mischwald

Ausgangslage

Nach wiederkehrenden Schäden durch den Borkenkäfer über mehrere Jahre, wurde eine Waldstück bei Muckenreuth nach und nach mit Tanne wiederaufgeforstet. Damit ist eine Zeitreihe von Tannenkulturen entstanden. Zusätzlich hat sich Naturverjüngung aus Birke und Vogelbeere untergemischt. Hier wächst ein zukunftsfähiger Mischwald heran

Waldbesitzer

Wolfgang Rieger

Maßnahmenbeschreibung

Nach mehreren Schadereignissen durch Borkenkäferbefall über mehrere Jahre wurden die Waldflächen mit Tanne wiederaufgeforstet. Dadurch ist eine kleine Zeitreihe über die Entwicklung von Tannenpflanzungen entstanden.
Die Pflanzungen wurden direkt nebeneinander angelegt und jeweils eingezäunt. Es konnten sich auch noch andere Baumarten aus Naturverjüngung mit untermischen. Vor allem die Birke und die Vogelbeere haben sich erfolgreich angesamt.
Sowohl Tanne als auch Birke und Vogelbeere zeichnen sich auf den Böden um Muckenreuth, den sandigen Lehmen, durch eine gute Klimaprognose aus. Sie bilden daher in ihrer Mischung einen zukunftsfähigen Mischbestand aus.

Maßnahmenlogbuch

Pflanzungen von 2008 bis 2010

  • Insgesamt 1.290 Tannen mit einzelnen Lärchen und Buchen als Ergänzung in lichteren Partien
  • Flächengröße: 0,5 ha
  • Förderung: 1.032 € (entspricht 0,8 € pro Pflanze)

Besonderheiten

Potenzial der Naturverjüngung: Anhand des Musterbestands ist eindrucksvoll zu erkennen, welches Potenzial in der Naturverjüngung steckt. Sowohl die Birke als auch die Vogelbeere sind interessante Mischbaumarten, was die Klimaresistenz angeht. Als Pionierbaumarten besiedeln sie nahezu jeden Standort und sind dadurch ideale Gehilfen bei der Wiederaufforstung. Wo diese beiden Arten sich natürlich ansamen, erspart man sich viel Zeit und Geld bei der Pflanzung.
Unterschiedliche Altersstruktur: Die Pflanzungen im Musterband erfolgten über mehrere Jahre Schritt für Schritt. Dadurch entsteht ein Waldbestand, der in seiner Altersstruktur gemischt ist. Diese Altersunterschiede haben den Vorteil, dass ein in der Höhe und Stärke der Bäume gestufter Wald entsteht, bei dem Wind- und Schneebruch weniger Schäden anrichten können. Außerdem muss nicht der gesamte Waldbestand auf einmal gepflegt werden. Die Pflegeeingriffe können so auf mehrere Jahre verteilt werden.

Lageplan und Anfahrtsbeschreibung

In Muckenreuth parken, den Feldweg im Westen ca. 400 m folgen. Nach der Wiese rechts in den Wald abbiegen. Der Tannenbestand befindet sich rechts und links vom Weg.

BayernAtlas WGS84: 49.93696, 11.77163 Externer Link

Goldkronach – Investition in die Zukunft: Jungbestandspflege in Mischbeständen

Ausgangslage

Für viele Waldbesitzende bedeuten die Trockenjahre 2018 bis 2020 vor allem eines: Von Trockenheit und Borkenkäfer geschädigte Fichten frühzeitig einschlagen und die entstehenden Lücken mit wärmeliebenden Baumarten auspflanzen. Bei der Pflanzung wird am besten auf mehrere Baumarten gesetzt, denn Mischwälder sind weniger anfällig gegen Schäden als Monokulturen. Wie erhält man nun die Mischung, stellt die Pflanzung doch eine Investition dar, die es zu erhalten gilt?

Waldbesitzer

Stadt Goldkronach

Maßnahmenbeschreibung

Direkt am Besucherparkplatz des Schaubergwerks „Schmutzlerzeche“ ist ein etwa 0,4 ha großer Tannen-Buchen-Spitzahorn-Bestand zu entdecken, der im Jahr 2009 begründet wurde. Die alten Fichten und Kiefern mussten aufgrund von Sturm und Borkenkäferbefall geerntet werden, bevor die Bäume hiebsreif waren. Um die Mischung der drei Baumarten zu erhalten, wurde der Bestand bereits mehrere Male gepflegt. Die Pflege von sehr jungen Bäumen nennt man auch Jungbestandspflege. Werden die Bäume älter, spricht man von Durchforstungen.

Maßnahmenlogbuch

Pflanzung 2009

  • 2.000 Stück Spitzahorn und Tanne
  • Pflanzverband 2 x 2 Meter

Jungbestandspflege 2013 und 2017

  • Auswahl der qualitativ besten, vitalsten und stabilsten Bäume im Abstand von 8 Metern. Entnahme der bedrängenden Nachbarbäume

Förderung

  • Für Pflanzung: 1.601 € (entspricht 0,8 € pro Pflanze)
  • Für Pflege: 400 € (entspricht 1.000 € pro ha)

Besonderheiten

Sicherung der Investition für die Zukunft!
Bei der Pflege eines jungen Waldbestandes werden gezielt alle 8 Meter die qualitativ besten (gerade gewachsen, feine Äste), vitalsten (gut ausgebaute Krone mit viel Blattmasse) und stabilsten (dicke Stämmchen, keine Verletzungen) Bäume ausgewählt. Das Wachstum dieser „Z-Bäume“ oder „Elite-Bäume“ wird durch die Entnahme der Nachbarbäume gefördert.
So können unter anderem sich ansamende Jungfichten zugunsten der Mischbaumarten entnommen werden, um den klimastabilen Mischwald zu erhalten.
Diese Art der Pflege wird auch „Punkt-Pflege“ genannt, denn der restliche Baumbestand wird nicht angetastet. Der Erhalt eines artenreichen Mischwaldes wird gewährleistet und die Grundlage für wertvolles Nutzholz wird geschaffen.

Lageplan und Anfahrtsbeschreibung

Der Bestand befindet sich direkt unterhalb vom Parkplatz des Infohauses am Goldberg (Besucherbergwerk „Schmutzlerzeche“).

BayernAtlas WGS84: 50.01041, 11.70581 Externer Link

Zurück zur Übersichtsseite der Musterbestände im Amtsbereich

Musterbestände zum Waldumbau